Erklärvideo-Produktion: Verschiedene Techniken im Überblick

Erklärvideo ist nicht gleich Erklärvideo und das ist auch gut so! Aufgrund der vielfältigen Stile und Techniken können sehr individuelle Erklärvideos produziert werden, die keine Wünsche offen lassen und sich gegebenenfalls deutlich von den Videos der Konkurrenten abheben. Welche Produktionstechniken es gibt und welche Vor- und Nachteile jeweils damit verbunden sind klären wir in diesem Artikel in Zusammenarbeit mit Inah, einer erfahrenen Video-Spezialistin. Auch über die verschiedenen Preisniveaus soll dieser Beitrag einen Überblick geben.

 

Legetechnik

So wird`s gemacht

Bei der Legetechnik oder auch Flachfigurentechnik werden Objekte auf Papier gezeichnet oder ausgedruckt, ausgeschnitten und mit den Händen auf einem flachen, meist weißen, Hintergrund bewegt. Dieser Vorgang wird abgefilmt und anschließend mit gesprochenem Text hinterlegt. Die Handbewegungen sind im fertigen Video sehr häufig zu sehen. Szenenwechsel werden durch Wegwischen aller Objekte dargestellt.

Vorteile

  • Einfacher Produktionsablauf
  • “handgemachte”, anpassungsfähige Optik

Nachteile

  • Änderungen erfordern im Nachhinein großen Aufwand (Live-Dreh im Studio)
    -> sehr sorfgälltige Vorgehensweise in der Preproduktion (Vorprodukion) notwendig,
    um Änderungen nach den Dreharbeiten zu vermeiden

Kosten

  • ca. 1.500,-€ bis 2.500,-€ (Ausgehend von ca. 2 Min. schwarz/weiß)

Dauer

  • ca. 2 – 3 Wochen (von der Beauftragung bis zum fertigen Video)

 

Animationsvideo

So wird`s gemacht

Der Begriff Animation beschreibt das Aneinanderreihen von statischen Einzelbildern in einer Sequenz, welche dem Auge bei Wiedergabe den Eindruck von Bewegung verschafft. 24 Bilder in der Sekunde (auch fps – frames per second) werden benötigt, um eine nahezu fließende Bewegung zu simulieren.

Man unterscheidet zwischen 2D und 3D Animationen.

Im Videobereich sind 3D Animationen mit vergleichsweise hohem Aufwand in Erstellung und Konzeption belegt. Außerdem erfordern größere 3D Animationen entsprechende Rechenleistung und gegebenenfalls lange Wartezeiten für Ausgabevorgänge. Sie kommen vor allem für technische Visualisierungen zum Einsatz, in Computer-Spielen und szenischen Filmen (Spielfilmen).

Viel gängiger ist die Verwendung von 2D Animationen. Motion Design (auch Motion Graphics) beschreibt die Disziplin der Bewegtbild-Gestaltung aus Grafiken und Typografie und findet seinen Ursprung in der Erstellung von Vor- und Abspännen für Filme. Bekannt geworden ist diese Kunst bereits in der frühen Filmgeschichte. Bahnbrechend waren dann aber vor allem die sehr aufwendigen und künstlerisch wertvollen Intro-Sequenzen der James Bond Filme. Eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

Der Begriff Keyframe (zu Deutsch: Schlüsselbild) stammt aus dem Produktionsablauf von Trickfilmen. Der Hauptzeichner erstellt hierbei alle wichtigen Bilder der Handlung. Um eine Bewegung darzustellen benötigt es jedoch noch viele Zwischenbilder. Diese werden nun aber von Zwischenzeichnern angefertigt.

In der Computer generierten Animation ist dieser Zwischenschritt nicht mehr notwendig. Die Begriffe jedoch sind geblieben. Mittels Keyframes wird der Software vermittelt, welche Einstellungen an einem bestimmten Punkt der Handlung zutreffend sein sollen. Statt eines Zwischenzeichners übernimmt an dieser Stelle jedoch der Rechner das Erstellen aller weiteren Bilder. Natürlich kann hierbei Einfluss genommen werden, um das Ergebnis entsprechend zu optimieren.

Für viele Erklärvideos wird auf das Darstellen „fließender“ Bewegungen jedoch verzichtet. Um die Animationen einfach und schnell austauschbar zu halten bewegen sich die Charaktere oft eher sprunghaft, was der Illusion von Bewegung (obwohl eher abrupt) keinen Abbruch tut.

Vorteile

  • Sehr flexible und vielfältige Darstellungsmöglichkeiten
  • Kann leicht auf Corporate-Design angepasst werden
  • Verhältnismäßig leicht änderbar

Nachteile

  • Keine

Kosten

  • ca. 1.500,-€ bis 3.000,-€ (Ausgehend von ca. 2 Min. schwarz/weiß)

Dauer

  • ca. 3 – 4 Wochen (von der Beauftragung bis zum fertigen Video)

 

Realdreh

So wird`s gemacht

Bei einem Realdreh hat man vielfältige Möglichkeiten. Ob ein kurzer Film mit Drehbuch, ein Film im Interviewstil oder die Darstellung einer Firma, eines Produktes oder einer Dienstleistung in einem Imagefilm. Den Einsatzmöglichkeiten sind nahezu keine Grenzen gesetzt, wenn das Budget stimmt.

Dreharbeiten können Indoor und Outdoor stattfinden. Einsätze im Studio, in der Natur, in Firmen direkt, auf Messen, oder auch Events wie Konzerten sind möglich.

Die kleinste Konstellation eines Filmteams besteht aus einem Kameraoperator und seinem Assistenten. Da bei Dreharbeiten aber sehr vielfältige Aufgaben anfallen, steigt die Teilnehmerzahl eines Filmdrehs proportional zum Aufwand des Drehbuches. So spricht man beispielsweise bei szenischen Filmproduktionen vom „Filmstab“, welcher gut und gerne aus mehreren hundert Personen bestehen kann. Für einfache Erklärvideos oder auch Imagefilme ist diese Größenordnung jedoch nicht üblich. Hier kommen meist kleineren Konstallationen aus beispielsweise Kameraoperator, Tontechniker, Lichttechniker und Redakteur zum Einsatz.

In der Postproduktion (Nachproduktion) wird bei Dreharbeiten generiertes Filmmaterial dann verarbeitet. Neben dem Videoschnitt (Montage) wird in diesem Schritt das Sound Design erstellt.

Material aus einem Realdreh kann auch mit animiertem Material kombiniert werden, beispielsweise indem ein gefilmter Moderator Sachverhalte erklärt, die dann im Hintergrund durch Animationen veranschaulicht werden.

Ebenfalls zum Realdreh zählt die Stop Motion Technik. Fotografiert man eine Szenerie in Einzelbildern und verändert von Bild zu Bild etwas an dieser Szene, so entsteht in der letztlichen Montage ein Stop Motion. Hierfür findet es neben vielerlei szenischen Filmproduktionen auch Anwendung in Werbung, Musikvideos und Erklärvideos. Die Produktion solcher Videos ist aber vergleichsweise aufwendig.

Vorteile

  • Vielfältige Darstellungsmöglichkeiten
  • Zusammenspiel von Realdreh und Animationen möglich
  • Emotionale Ansprache noch größer

Nachteile

  • Änderungen erfordern im Nachhinein großen Aufwand
    -> sehr sorgfältige Vorgehensweise in der Preproduktion notwendig,
    um Änderungen nach Dreharbeit zu vermeiden
  • Hoher Zeitaufwand für den Auftraggeber (Dreh vor Ort/Interview…)
  • Größere Kosten für mehr Produktionsteilnehmer, Darsteller, Equipment und Locations
  • Größerer Aufwand durch eventuell notwendig werdende Vorkehrungen für Sicherheitsbestimmungen am Set, Drehgenehmigungen für öffentliche Plätze, Straßensperrungen und/oder Einschränkungen im Betrieb
  • Eventuelle Abhängigkeit von Wind und Wetter
  • Größerer organisatorischer Aufwand (Drehtermine, Castings, Verpflegung, Übernachtungen)

Kosten

  • ca. 4.000,-€ bis 10.000,-€ (Ausgehend von ca. 2 Min.)

(Achtung: diese Einschätzung bezieht sich auf einfache Erklärvideos. Der Aufwand für eine Produktion im Bereich Realdreh lässt sich sehr schwer ohne genauere Angaben einschätzen und festlegen, da hier zu viele Faktoren eine Rolle spielen.)

Dauer

  • ca. 6 – 8 Wochen (von der Beauftragung bis zum fertigen Video)

 

Screen Capture

So wird`s gemacht

Bei der Screen Capture Methode wird mit Hilfe einer Software wie z. B. Camtasia Studio der Desktop abgefilmt. Besonders geeignet ist diese Technik für die Demonstration einer Software, egal ob zu Schulungszwecken oder zur Präsentation. Aufgenommen werden Bild und Ton parallel. Es besteht aber auch die Möglichkeit, bereits gefilmtes Material nachträglich zu vertonen, sodass man seine Formulierungen genau überdenken und anpassen kann. Je nach Programm kann entweder der gesamte Bildschirm, das aktuelle Fenster oder eine definierter Bereich aufgenommen werden. Manche Software bringt neben der Aufnahmefunktion auch eine Bearbeitungsmöglichkeit für aufgenommenes Material mit. Ist dies nicht der Fall kann die Aufnahme in einem anderen Video-Schnittprogramm weiterverarbeitet werden. Die Auswahl an Softwaremöglichkeiten auch als Freeware wächst zunehmend.

Vorteile

  • Schnelle und einfache Produktion
  • Ideal zur Demonstration einer Software
  • Auch in Eigenregie möglich

Nachteile

  • Für wenige Einsatzgebiete geeignet
  • tendenziell eher langweilig und emotionslos

Kosten

  • unter 1.000,-€ möglich (Ausgehend von ca. 2 Min.)

Dauer

  • ca. 5 – 10 Stunden (von der Beauftragung bis zum fertigen Video)

 

  Alle Techniken im Überblick

Video-Techniken im Vergleich

Michael Kubens auf Google+

2 Antworten zu “Erklärvideo-Produktion: Verschiedene Techniken im Überblick”

  1. Das perfekte Briefing für Ihr Video | Der Erklärvideo- und Sprecher-Blog von voivio.de sagt:

    […] sie also so genau wie möglich den gewünschten Stil Ihres Videos. Bei der Videoproduktion gibt es verschiedene Techniken und viele verschiedene Stile. Ob Comic, Skizze oder realistische Zeichnung der Kreativität sind […]

  2. Techniken im Überblick: Einführung | Plainmotion sagt:

    […] Hier finden Sie den Artikel auf voivio.de […]


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